Socke Seelenretter (2000-2014)

Mit Socke trat Heiligabend 2000 eine Seele in unser Leben, die unsere Herzen im Sturm eroberte. Ein kleiner, dicker, bunter, triefäugiger Hund mit wildem Temperament, der mich eine Ausdrucksform der Liebe lehrte, die ich von einem Menschen nie hätte lernen können. Das dicke Kerlchen wurde zu einem prächtigen Schwan mit einem großen Herzen.

Sockes Berufung war es, Menschen zu fischen. Schon in seinen ersten Wochen begleitete er mich auf meine Seminare und Workshops und avanchierte dort nicht nur zum heimlichen Star – er hatte ein untrügliches Gespür für Menschen mit Hundeangst, die er grundsätzlich so lange nicht in Ruhe liess, bis sie mit ihm spielten, ihn streichelten und ihm schließlich vertrauten.

Mehrmals pufferte Socke Krankheiten vor mir ab und lehrte mich so über Liebe und über Verantwortung wichtige Lektionen. Womöglich rettete er uns das Leben als er in einem französischen Wald, in dem wir wild übernachteten, Camperknacker vertrieb.

Socke war Model in allen meinen Büchern und dürfte so wohl der bekannteste Klanghund der deutschsprachigen Lande geworden sein.

Unbeirrbar und beharrlich kommunizierte er mir, dass Arbeit an Büchern und Webseiten Tierquälerei ist und ich eigentlich mit ihm in die Natur gehöre und nicht in ein Büro. Socke folgte mir auf Schritt und Tritt. Bis auf wenige Ausflüge ins Kino oder Restaurants sowie seltene Seminare ausserhalb wich er mit über dreizehneinhalb Jahre nicht von der Seite. Auch das ist anders als wenn man Menschen, zum Beispiel Kinder liebt. Kinder beginnen sich mit jedem neuen Lebensjahr weiter von den Eltern abzunabeln und wenn sie alt genug sind, verlassen sich das Haus und gehen ihrer eigenen Wege. Ein Hund, der einen liebt, wird mit jedem Jahr anhänglicher. Je älter er wird, desto wichtiger ist es ihm, ganz nahe bei seinem Rudel zu sein. Doris und ich, wir waren sein Rudel.

Viele Abende ging ich in der Dunkelheit oder dem Mondschein mit Socke über die Wiesen rund um Battweiler spazieren. Oft blieben wir stehen und schauten einfach nur in die Landschaft. Das war so ein Charakterzug von Socke. Er konnte ewig still sitzen und die Landschaft beobachten. Oftmals atmeten wir synchron tief durch, wenn uns die Stimmung des Augenblickes berührte – Socke neigte wie ich zu Melancholie und herzlichem Überschwang. Beim Feiern wurde er gerne zu laut – wie ich.

In jedem Seminar sorgte er für Lacher – wenn ich einen Teilnehmer einlud, sich auf die Decke zu legen, damit ich eine Behandlung an ihm vorführen konnte, stürmte sofort Socke herbei und schmiss sich an die Seite des zu Behandelnden. Und natürlich animierte er alle zum Spielen, was wir, um seine fragile Gesundheit zu schützen, später unterbinden mussten.

Socke verstand eine Vielzahl von Worten und vermochte es, Menschen in die Augen zu blicken ohne irgendwann weggucken zu müssen oder zu drohen, wie es für viele Hunde typisch ist. Socke blickte und blickte und blickte. In die Augen der Menschen. In die Landschaften. Er war ein Buddha.

Socke hat mir ein Meer von Liebe und Vertrauen zuteil werden lassen – und das, obwohl ich in unseren ersten Jahren mit meiner Aufgabe als Hundebegleiter nicht immer ganz optimal umgegangen bin und ihn bisweilen recht streng führte. Er lehrte mich, wie man mit Liebe und Strenge gleichzeitig führt.

Dreizehneinhalb Jahre hatte ich nicht einen Augenblick einen Zweifel daran, dass mir in Socke das vermutlich größte Geschenk meines Lebens begegnet ist – ich durfte Begleiter und Beschützer einer großen Seele sein. Hierfür bin ich unendlich dankbar.

Als wir im April 2014 die schon lange vermutete Diagnose erhielten, begannen die wohl intimsten Wochen unseres gemeinsamen Lebens. An der Seite eines sterbenden Hundes erfuhr ich eine neue Dimension der Liebe und des Lebens und der Hingabe an das Schicksal. Sockes Kraft und Vertrauen ließen mich meine Angst vor dem Tod überwinden – kann ein Mensch ein größeres Geschenk erhalten?

An der Seite Sockes lernte ich in diesen so traurigen und so liebesdurchtränkten Tagen meine Berufung anzunehmen. Er lies mich Gott neu erfahren in meinen Leben und hob so meine ausgeprägte Spiritualität auf eine neue Stufe.

Schließlich forderte Socke als letztes Versprechen von mir, ein Buch zu schreiben. Das war ein Trick von ihm, denn das Schreiben dieses Buches führte mich zu einer weit größeren Aufgabe. Schon bald wird sein Leben und Sterben und seine Liebe tausende andere Menschen und Tiere bereichern und sie dabei unterstützen, eine würdevolleren Tod zu sterben.

Sockes Tod war der Beginn eines neuen Lebens. Es entfaltet sich nun vor mir, wie ein exotischer Traum.

Wenn ich heute zurückschaue, dann kann ich es fast nicht glauben, was mir geschah. Wer hätte denn auch ahnen können, dass es Engel mit Fell gibt, die verrückt nach quietschendem Gummispielzeug sind?

Ich habe immer gedacht, meine letzten Worte werden einst sein: “Verdammt, war das schön hier!” Nun weiss ich, dem werden noch zwei Worte folgen: “… Socke! … Endlich!”

Mein Herz ist voller Liebe und Dankbarkeit.

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