Meinem Lehrer Paul Uccusic (1937-2013) und meiner Lehrerin Roswitha Uccusic

Es muss irgendwo in den Jahren 2002 bis 2004 gewesen sein, als ich mit meiner Frau in Nürnberg auf den Parkplatz eines Seminarhauses fuhr, in dem die Einführung in den Schamanismus stattfinden sollte. Im selben Augenblick parkte neben uns ein kleiner Wagen ein. Ein älterer Herr mit Schnauzbart und Cordhose sowie eine auffällig geschminkte Dame stiegen aus und bewegten sich Richtung Seminarhaus. Ich dachte damals „Die haben sich ja wohl in der Adresse vertan!“, weil ich mir so gar nicht vorstellen konnte, dass die ein Seminar in einem Haus mit alternativen Programm besuchen wollten.

Kaum eine halbe Stunde später sah ich die beiden im grossen Kreis der fast fünfzig oder mehr Seminarteilnehmer sitzen. „Naja“, dachte ich, „finde ich ja cool, dass die Herrschaft auch noch was zum Thema lernen wollen.“ Als eben diese Beiden dann das Seminar eröffneten, war ich binnen Minuten verliebt. Der Mann sagte so etwas wie „Meine Name ist Paul Uccusic. Ich beschäftige mich seit 1982 mit dem Schamanismus – und ich leite das Seminar hier“ und gab die Vorstellung an den nächsten in der Runde weiter. „Wow!“ dachte ich nur, „uneitler kann man sich ja wohl kaum vorstellen.

Paul war direkt. Er gab auf manche vielleicht nicht so intelligente Frage, vermutlich hatte er sie schon 1000 Mal gehört, bisweilen schroff Antwort. Er tat nicht interessiert, wenn er gelangweilt war. Immer wieder antwortete er auf Fragen auf diese oder ähnliche Weise: „Hör mal deiner Frage zu. Du kennst die Antwort bereits.“ Ein bisschen grantig schien Paul mir, das mochten einige meiner Mitstudenten gar nicht – und es war genau das, was mir gefiel. Der Mann warb ganz offensichtlich nicht für sich. Doch was er sagte, was er uns lehrte, das funktionierte, das hatte Hand und Fuss. Und es veränderte mein Leben und schon bald das vieler meiner Schüler.

Herrlich auch seine kleinen Wortgefechte und Reibereien mit seiner Gattin Roswitha, die sie in diesem Seminar führten. Unüberhörbar ein ganz normales Ehepaar – Kabbeleien wegen nichts. So ganz gwöhnliche Menschen wie ich und du, mit so einer Unmenge an schamanischer Erfahrung. Kein langhaarigen Freaks, die auf Indianer machen. Kein esoterisches Gelaber. Handfest. Geradeaus. Erfahren. Wissend. Fragten Schüler nach der Bedeutung von Ritualen oder Ideen, von denen sie gehört hatten, wusste Paul immer mal wieder zu antworten „Wir haben davon gehört. Aber so arbeiten wir hier nicht. Wir konzentrieren uns auf das, womit wir uns auskennen und was sich bewährt hat.“ – Auch das imponierte mir (andere beschwerten sich gelegentlich): Kein Urteil über andere Idee und Ansätze. Nur ein klares Statement. „Wir machen das hier nicht.“ Fertig.

In den folgenden Jahren besuchte ich viele Seminare bei Paul und Roswitha. Ich konnte nicht umhin, die beiden zu lieben, denn sie lehrten mich das größere Universum, die Anderswelt, die ich in meiner Feng Shui-Ausbildung erstmals begegnet war, systematisch zu erforschen und aktiv zu nutzen. Für mich selbst und für anderen Menschen, denen ich als Praktizierender mit schamanischen Methoden helfen konnte. Es war letztlich auch dieser seriöse, gänzlich unprätentiöse und systematische Stil von Paul und Roswitha Uccusic, die meine Forschung über die Zusammenhänge zwischen Klangerfahrung und schamanischer Wirklichkeit inspirierte und mich eine neue Form der Klangtherapie entwickeln ließ. Auf diesem Wege hat Paul nicht nur mein Leben tief bewegt, sondern über mich das Leben von einigen hundert Menschen, denen ich wiederum beibringen durfte, wie sie die nichtalltägliche Wirklichkeit kennenlernen und für sich und andere nutzen konnten. Diese wiederum helfen tausenden Anderen. Paul Uccusic hat wie kein zweiter Lehrer (gemeinsam mit seiner Frau Roswitha) dazu beigetragen, mein Leben und Werk tiefer, reicher, bewusster, achtsamer, respekt- und liebevoller werden zu lassen.

2010 oder 2011 besuchte ich das letzte Seminar bei den beiden. Ich hatte damals das Gefühl, mit den Jahren war Paul sanfter geworden. Seine Art auf Fragen zu reagieren, schien mir entspannter, liebevoller. Und immer noch umgab meinen „Meister“, der so gar nicht Meister zu sein vorgab, ein Feld der Einfachheit und Bescheidenheit. Und gleichzeitig das Feld eines langen, lernvollen und lehrerreichen Lebens. Es dürften wohl viele tausend sein, die Paul unterrichtet hat und viele zehntausend haben in der Foundation for Shamanic Studies, die er in Europa mit aufgebaut hat, erfahren dürfen, dass das Leben viel größer ist als sie uns in der Schule oder an der Uni lehr(t)en.

Für mich ist Paul Uccusic ein Held. Einer wie aus einem verdammt guten Roman. Einer mit Cordhose, Strickweste und Filzpantoffeln. So einer, von dem du alles mögliche erwartest, aber nicht, das er deine Sicht auf das Leben auf immer verändern wird.

Zu dem, was ich gelernt habe, gehört, dass Paul Uccusic auch Geist ist. Seinen Leib hat er nun abgestreift, die Form gewandelt. Zu meinem Menschsein gehört meine Traurigkeit, dass ich ihn – in dieser Welt – nicht zur Begrüssung mehr umarmen kann, keine Lektionen mehr von ihm hören werde, mit meinen Ohren – in dieser Welt.

Meine Traurigkeit über diesen Verlust und mein Freude, ihn gekannt und so unendlich viel von ihm gelernt zu haben, erfüllen gleichzeitig mein Herz. So oder so ist es Liebe, was ich spüre.

Danke Paul Uccusic.

Und natürlich auch ein Woge des Dankes an die wunderbare Roswitha. Euch miteinander erleben, von euch lernen zu dürfen. Ich fühle mich so unendlich reich beschenkt. Ich bin der Meinung, dass ihr mit zu den Wegbereitern einer Evolution des Schamanismus gehört. Da ich der Überzeugung bin, dass zu vollendeten Evolution des Mensch-Seins das Erkennen unserer geistigen Verbundenheit gehört, halte ich euch beide für die Mit-Wegbereiter einer möglichen neuen Menschheit. Es sollten Wälder nach euch benannt werden …

Möge dein Weg gesegnet sein mit Liebe. Lebe lange und in Frieden!

Danke Roswitha!

Foto: Fotolia ©Tomasz Zajda

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