Mal was erfreuliches ...
Kopieren Sie noch ...
... oder nutzen Sie schon Ihren Verstand?
Sie haben es schon so oft in den Medien gelesen, dass es langweilt: die Musikindustrie ist bedroht, weil so viele CDs kopiert oder übler noch: zum Download in Tauschbörsen eingestellt werden. Wenn man Kopierer und Tauscher befragt, warum sie das tun, dann kommt das stereotype Argument "die Konzerne zocken einen doch nur ab". Interessanterweise sind die Kopierer und Tauscher scheinbar zu dämlich (oder sie lügen, was wahrscheinlicher ist), einen Konzern von einem mittelständischen oder gar kleinen Label zu unterscheiden, denn deren Produkte kopieren sie ebenfalls und stellen sie online.
Jetzt möchte ich Sie mal mit positiven Nachrichten bereichern: Wenn Sie nämlich nicht kopieren, dann tragen Sie zu einem sehr komplexen und sehr schönen Projekt bei, das wir Sozialgesellschaft und Kultur nennen. Irgendwie weisen die Konzerne da nicht drauf hin, was vermuten lässt, dass die tatsächlich nur die Pinutze im Sinn haben ...
Mit dem Kauf einer CD helfen Sie,
unter anderem folgende Arbeitsplätze zu sichern:
Des Künstlers bzw. Interpreten dieser CD.
Des Verlages, der diese CD verfügbar macht.
Der freien Graphikers, der für die Layouts sorgt.
Des professionellen Studios, in dem die Sounds dieser CD bearbeitet wurden.
Der Auslieferung und ihrer Angestellten, die dafür sorgen, daß der Großhandel und Handel diese CD innerhalb von 48 Stunden nach Bestellung erhalten.
Des Großhandels und seiner Angestellten.
Des Ladens und seiner Angestellten, in dem Sie diese CD erworben haben.
Des Presswerkes und seiner Angestellten. Dort wurde diese CD reproduziert.
Der Produktionsfirma, die das Bindeglied zwischen Verlag und Presswerk darstellt.
Außerdem sind beteiligt: Unser Dorfbäcker, diverse Paketdienste, einige Winzer in Deutschland und Frankreich sowie die Hersteller von Kameras und Computern, die hier verwendet wurden.
Und wenn Sie vernetzt denken:
... dann muss auch jemand die Mikrophone, die Soft- und Hardware für die Studioausstattung herstellen. Viele davon sind ganz einfache Arbeiter. Viele sind ganz einfache Verwaltungsangestellte. Die wollen auch leben. Die kaufen übrigens von dem Geld, was sie mit meinen CDs verdienen auch Brötchen, Autos, Gartenmöbel, Milch und Kaffee, Kinotickets, Babynahrung. Und die zahlen alle mit dem Geld, das sie verdienen, genau wie ich und alle anderen, die ich hier erwähne, in unser Sozialsystem, sprich die Kranken & Rentenversicherung ein.
... dann stellt auch jemand die Instrumente her, die sie hören. Die essen auch Brot und zahlen ein.
... dann verkaufen viele Händler in Deutschland die CDs. Die trinken auch Mineralwasser und zahlen ein.
... diese Händler haben auch Angestellte, die wollen sich auch Brot und Wein leisten können.
... wenn wir im Studio arbeiten, lassen wir gerne mal das Pizzataxi kommen. Der Pizzabote hat seinen Job. Den Käse auf der Pizza hat ein Bauer erzeugt, eine Käserei produziert. Im Supermarkt hat das jemand an den Pizzabäcker verkauft, der Pizzabäcker hat mal ne Grippe, dann geht er zum Arzt, der Arzt hat ein Praxis, die hat ein Möbelbauer eingerichtet, der Möbelbauer hat einen Sohn, der Sohn studiert vielleicht ein technisches Fach, vielleicht entwickelt der mal die Methode, um ein Auto mit Wasser fahren zu lassen. Ein Auto, das von jemandem gebaut wird. Der hat ein Baby. Das Baby geht bald in einen Kindergarten. Im Kindergarten arbeiten Kindergärtnerinnen. Die fahren an die Ostsee oder in die Alpen in den Urlaub. Dort wohnen sie in einer kleinen Pension, die wird ...
Kopieren Sie noch, oder denken Sie schon nach ...?!
Und noch etwas intimer
Ich bin kein sonderlich anspruchsvoller Mensch. Gutes Essen, gute Bücher, Bäume, Blumen und natürlich meine Familie sind mir privat wichtig. Wenn eine CD dann tatsächlich mal Gewinn abwirft, dann kaufe ich davon nicht etwa einen Sportwagen (selbst wenn, der wird ja auch wieder von jemandem hergestellt, der leben will und einzahlt ins System), sondern ich stecke das Geld "in den Laden", das heißt ich finanziere neue Produkte, ich kaufe neue Instrumente, ich sorge dafür das das Traumzeit-Haus ein offener Ort bleiben kann, der im Jahr einige hundert Menschen inspiriert und fördert.
Kopieren Sie noch, oder denken Sie schon nach ...?!
SIE verdienen Geld mt meiner CD!
Jetzt, glauben Sie, ist der Lindner durchgedreht.
Weit gefehlt: es wurde vor kurzem zweifelsfrei wissenschaftlich erwiesen, dass jeder Mensch über genau 6,6 Kontakte mit jedem lebenden Menschen in Verbindung steht. Das heißt, sie kennen jemanden, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der den Papst kennt, den Dalai Lama, Angela Merkel oder mich (welch unverschämte Reihe :-)
So sind auch Ihr Job und Ihr Einkommen auf nur wenige Bindeglieder in irgendeiner Weise mit allen verbunden, die sonst noch am Traumzeit-Produkt Geld verdienen. Wenn Sie das weit hergeholt halten, dann kopieren Sie entweder, oder Sie halten Mathematik für eine esoterische Disziplin.
Kopieren Sie noch, oder denken Sie schon nach ...?!
Nur ein einziges Bindeglied
Jeden von uns, Gott bewahre!, kann das Schicksal hart treffen und wir müssen mit Arbeitslosigkeit oder schwerer Krankheit fertig werden. Sicher gibt es viel zu beklagen und zu verbessern in diesem schönen Lande, aber die Sicherungssysteme sind nicht die schlechtesten. Diese Systeme werden auch von Traumzeit finanziert. Und auch von Ihnen.
Ich finde die Vorstellung sehr schön, dass wir mit dem Produzieren und dem Kaufen einer CD dazu beitragen, dass das System auf seine holprige Weise doch irgendwie weiter funktioniert und wir Krankheit und Verhungern nicht ausgeliefert sind.
Jetzt noch die Egoschiene - Das Recht
Klar, das Pressen von CDs ist inzwischen superbillig. Aber eine kleine Produktion bei Traumzeit kostet zwischen 8.000 und 15.000 Euro. Rechnen Sie das mal auf 1000 verkaufte CDs um. Dann bedenken Sie mal, dass von 15 Euro Ladenpreis nach Abzug von Handelsmargen und Steuer bei mir ungefähr 5-6 Euro eingehen ... richtig! Dann lohnt sich die CD erst, wenn ich weit über 1000 verkaufe. DAS geht aber leider immer schwerer, da die Dinger ja kopiert und getauscht werden.
Wenn ein Künstler sich etwas ausdenkt, eine Musik, dann ist das seins.
Er hat dafür lange gelernt und fast alle Künstler verzichten oft in ihrem Leben auf ganz schön viele Sachen, die normalen Menschen selbstverständlich erscheinen (gutes Essen, Klamotten, soziale Absicherung, Urlaube undsoweiterundsofort). Das tut er, damit er Kunst machen kann. Er investiert also.
Finden Sie nicht auch, er sollte dann, wenn er seine Arbeit richtig gut macht, auch richtig gut verdienen? Ich meine, er steht nicht an einer Maschine und produziert mit drei Handbewegungen irgendein Teil. Er sortiert auch nicht Belege. Er schafft etwas, das niemand anders so kann wie er oder sie.
Ich finde, er hat ein Anrecht darauf, dass das Resultat seiner einzigartigen Bemühungen honoriert wird. Selbst wenn er eine Million CDs verkauft, gibt mir das nicht das Recht darüber zu urteilen, wie viel er verdienen darf. Wenn ich seine CD haben will, dann muss ich dafür bezahlen, was er dafür haben will. Ist mir die CD zu teuer, kann ich es ja sein lassen ...
Das Urheberrecht aushebeln heißt die Kulturnationen um den Quell ihrer Kraft zu bringen. Von Kreativität zu leben ist ein sehr risikoreicher Beruf. Fördern Sie die Menschen, die dieses Abenteuer eingehen. Wenn alle so denken, dann geht es allen besser ... denn was denken Sie, wo kleine Künstler ihr Geld anlegen? Auf Schweizer Konten? Nein, die kaufen ein und so ist Ihr sauer verdientes Geld innerhalb von weniger als sechs Schritten zu einem Teil auch wieder in Ihre Geldbörse geflossen.
